Auf Projektreise in Kenia - Fortschritte bei der Bekämpfung von weiblicher Genitalverstümmelung (FGM)
Um sich ein eigenes Bild von der Projektumsetzung vor Ort zu machen, sowie mit Partnern, Behörden und Begünstigten ins Gespräch zu kommen, ging es für zwei unserer Project-Manager Anfang September auf Projektreise nach Kenia, genauer gesagt, in die Region County Laikipia North.
Gemeinsam mit unserer langjährigen Partnerorganisation Action for Children in Conflict (AFCiC) engagieren wir uns dort für den Schutz von Mädchen vor weiblicher Genitalverstümmelung (FGM) und anderer geschlechtsspezifischer Gewalt (GBV – Gender-based-Violence), unter anderem mit dem Projekt Wezesha Wasichana.
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Zu Beginn unserer Reise besuchten wir den Sitz von AFCiC in Thika, wo wir das Team und den Direktor der Partnerorganisation, John Muiruri, zum Austausch trafen. Danach ging es einen ganzen Fahrtag lang in die Projektregion nach Laikipia, eine weitläufige, dünn besiedelte Landschaft mit unzuverlässiger Strom- und Internetversorgung und einer traditionell stark verwurzelten Kultur. Besonders die großen Distanzen zwischen Projekt-Standorten und die schwierigen klimatischen Bedingungen erschweren die Arbeit unserer Partner spürbar.
Projektmeeting im Field Office und Austausch mit Community Health Volunteers
Im Field Office in Laikipia fand dann ein internes Projektmeeting statt, mit einem Überblick über den aktuellen Stand des Projektes “Wezesha Wasichana” und den bisherigen Fortschritten der Arbeit vor Ort.
Besonders eindrücklich war anschließend das Gespräch mit einer Gruppe von Community Health Volunteers (CHVs), die im Projekt Schutzfälle identifizieren und melden. Sie berichteten uns von ihrem Alltag, über die Umsetzung der Meldepflicht für Schutzfälle innerhalb von 72 Stunden und über riesige Distanzen zwischen den Gemeinden, die zurückgelegt werden müssen.
Ganz offen berichteten uns die Freiwilligen aber auch von einer zunehmend verdeckten Durchführung von FGM, die eine frühzeitige Identifikation gefährdeter Mädchen erschwert. Ein Folge-Projekt um genau diese Problematik anzugehen, sieht unter anderem vor, eine gebührenfreie, lokal betriebene GBV- und Kinderschutz-Hotline einzurichten, um es der gesamten Gemeinde künftig zu erleichtern, Verdachtsfälle vertraulich und in der lokalen Sprache Maa zu melden.
Besuch der Olkinyei Primary School
Ein besonderer Moment war der anschließende Besuch der Olkinyei Primary School. Die Schülerinnen und Schüler hatten für uns ein kleines Programm vorbereitet: mit Gesang, Tanz und Rollenspielen zeigten sie, was sie im projekteigenen School Health Club über den Schutz vor FGM gelernt hatten. Eine Schülerin erzählte uns nach der Aufführung stolz, dass sie inzwischen selbst wisse, an wen sie sich wenden könne, wenn eine Freundin in Gefahr sei. Ein kleines, aber wichtiges Zeichen dafür, wie das Projekt bereits im Alltag der Kinder ankommt. Die Lehrkräfte sprachen zugleich offen über ihre Sorgen: fehlende Latrinen, durch Wildtiere beschädigte Wassertanks und die spürbaren Folgen der anhaltenden Dürre. Auch hier soll das geplante Folgeprojekt mit Regenwassernutzungssystemen und dem Aufbau von Baumschulen ansetzen.
Besuch des One More Day Girls Safe House in Doldol
Am selben Nachmittag besuchten wir zudem das One More Day Girls Safe House in Doldol, ein Langzeit-Schutzhaus für gefährdete Mädchen. Besonders beeindruckend waren die Berichte ehemaliger Bewohnerinnen, von denen einige inzwischen ein Studium aufgenommen haben – ein greifbares Beispiel dafür, was möglich ist, wenn Mädchen Schutz und eine Perspektive erhalten.
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Kurz zuvor hatten wir zudem die Gelegenheit, eine Gruppe von ARP-Absolventinnen (Alternative Rites of Passage – Alternative Übergangsrituale) in der Kimanjo Primary School zu treffen, junge Frauen, die einen Übergangsritus ganz ohne FGM durchlaufen haben. |
Persönlicher Austausch mit den Partnern vor Ort
Neben all den fachlichen Eindrücken war uns bei dieser Reise, wie bei jeder Projektreise, auch der persönliche Austausch besonders wichtig. Die langen Fahrten durch Laikipia gaben viel Raum für Gespräche mit unseren Kolleg:innen von AFCiC, auch jenseits der reinen Projektarbeit. Fast jeden Abend saßen wir gemeinsam mit Mitgliedern des Twala Women Trust und dem Team von AFCiC am Lagerfeuer zusammen und tauschten uns auch über ganz alltägliche Dinge und persönliche Erfahrungen aus. Solche Momente sind uns bei Projektreisen fast genauso wichtig wie das Monitoring der Projekterfolge selbst, denn oft entsteht gerade bei einem gemeinsamen Abendessen oder auf einer langen Fahrt mehr als eine reine Arbeitsbeziehung, sondern echtes gegenseitiges Verständnis für die Menschen hinter dem Projekt.
Fazit unserer Reise: Ihre Hilfe wirkt!
Insgesamt hat uns die Reise einen wichtigen persönlichen Einblick in das Projekt verschafft. Vor allem die Gespräche mit den CHVs, den Lehrkräften, den Chiefs und Morans sowie mit den betroffenen Mädchen und jungen Frauen, machten diese Projektreise zu einer bewegenden und lehrreichen Erfahrung, von der auch der weitere Projektverlauf profitieren wird. Wir freuen uns sehr zu sehen, dass unsere Arbeit in Laikipia bereits Früchte trägt, und danken AFCiC sowie allen Partner:innen vor Ort für die herzliche Aufnahme!
Elisa Mandani und Lino Singer
Project-Manager Kenia
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