Projektland Uganda: Sexuelle Selbstbestimmung durch ganzheitliche Aufklärung junger Frauen und Männer
Wir berichten heute aus unserem Projektland Uganda, genauer gesagt über unsere Arbeit in den Distrikten Terego und Yumbe, eine Region im Norden Ugandas, die vor besonderen Herausforderungen steht:
Als Grenzregion zu den Krisenländern Südsudan und der Demokratischen Republik Kongo, haben sich die Einwohnerzahlen in den Aufnahme-Gemeinden für Geflüchtete teilweise fast verdoppelt. Infrastruktur und Gesundheitssysteme sind somit stark überlastet. Zusätzlich verschärft der Klimawandel die Lage, da unregelmäßige Regenzeiten und Dürren Lebensmittelpreise und Armut in die Höhe treiben. Besonders betroffen ist die junge Bevölkerung: Rund 70% der Menschen in Terego und Yumbe sind unter 25 Jahre alt, die Rate der Kinderehen und Teenagerschwangerschaften ist die höchste in ganz Uganda. Soziale und wirtschaftliche Unsicherheit drängen viele junge Menschen, insbesondere Mädchen, in frühzeitige Abhängigkeiten. Sexuelle Gewalt und “Sex for Survival” sind in solchen Krisenzeiten keine Ausnahme, sondern bittere Realität.
Genau hier setzt unser Projektpartner vor Ort an:
HEYO (Healthy and Empowered Youth for healthy, productive and resilient Communities) möchte junge Menschen zur wirtschaftlichen Selbstständigkeit bringen und gleichzeitig Ihre sexuellen und reproduktiven Rechte durch den Zugang zu jugendgerechten Gesundheits- und Bildungsangeboten nachhaltig verbessern um so die Selbstbestimmung, Gesundheit und Resilienz der jungen Generation in den Distrikten Terego und Yumbe wirksam zu stärken.
In den regionalen Schulen war Sexualerziehung bislang kaum vorhanden. Es fehlte an Materialien, an geschultem Personal und an einem geschützten Raum, in dem Jugendliche offen Fragen stellen konnten. Genau hier
setzt unser Projekt HEYO an und lässt Sexualaufklärung dort stattfinden, wo Kinder und Jugendliche sind: in der Schule.
Gemeinsam mit 40 ausgebildeten Schülerclub-Leitern und Leiterinnen sowie 40 Lehrkräften haben wir an 20 Schulen Clubs zur Stärkung der sexuellen und reproduktiven Rechte (SRHR) aufgebaut. Das Ergebnis: 6.539 Schüler*innen – fast genau zur Hälfte Mädchen und Jungen – haben inzwischen an Sexualunterricht und Lebenskompetenz-Trainings teilgenommen. Sie lernen dort nicht nur, wie sie sich und ihren Körper schützen können, sondern auch, wie sie selbstbestimmt Entscheidungen treffen und sich gegenseitig unterstützen.
Ergänzt wird diese Arbeit durch Jugendbotschafter*innen, die als Mentorinnen und Mentoren junge Menschen in ihren Gemeinden aufklären, sensibilisieren und bei Bedarf an Gesundheitsdienste vermitteln.
Rose Ayiba ist eine von 40 Jugendbotschafter*innen
Bereits über 4.100 Jugendliche – darunter viele Teenager-Mütter und Überlebende geschlechtsspezifischer Gewalt – konnten durch diese engagierten jungen Menschen persönlich begleitet und an die passende Hilfe weitervermittelt werden.
Warum die aktive Einbindung von Jungen und Männern so wichtig ist
Ein zentraler Baustein unserer Strategie ist die aktive Einbindung von Jungen und jungen Männern. Teenagerschwangerschaft und frühe Eheschließung sind keine Frauenthemen, sie entstehen in einem sozialen Umfeld, das von Normen, Erwartungen und oft auch von männlichem Verhalten geprägt wird. Wer nachhaltig etwas verändern will, muss deshalb auch dort ansetzen.
Wir haben 30 junge Männer zu sogenannten “Male Change Agents” ausgebildet. Sie setzen sich in ihren Gemeinden aktiv für ein positives Männlichkeitsbild ein, sprechen offen über Themen wie Konsens, Verantwortung und geschlechtsspezifische Gewalt und ermutigen andere Männer, Verantwortung zu übernehmen anstatt wegzusehen. Über Gemeinschaftsdialoge und größere Veranstaltungen haben wir inzwischen 1.451 Jungen und junge Männer erreicht.
Der Rückhalt der Gemeinschaft wächst
Auch religiöse und kulturelle Führungspersonen spielen eine wachsende Rolle: 40 von ihnen wurden geschult und tragen die Botschaften zu Aufklärung und Kinderehe-Prävention nun eigenständig in ihre Gemeinden – über Predigten, Gespräche und alltägliche Begegnungen. Da diese Personen langfristig vor Ort bleiben, wirkt ihr Engagement weit über die Projektlaufzeit hinaus.
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