GESUNDES AFRIKA

Afrikas starke Aufnahmeländer

Bei Befragungen wird die Anzahl von Migrant:innen oft um das drei- oder vierfache überschätzt. Das liegt vor allem an überemotionalisierten, meist falschen Annahmen. In den Medien wird oft vermittelt, dass Migrationsbewegungen nach Europa zugenommen haben. Unter den Top 10 der Aufnahmeländer von Geflüchteten sind jedoch vor allem Länder außerhalb Europas zu finden. Drei der Aufnahmeländer sind in Afrika. Uganda, ein Land mit einer Bevölkerung nur halb so groß wie die Deutschlands und einem Hundertstel unseres BIPs hat dennoch mehr Geflüchtete aufgenommen und verfolgt dabei noch eine besonders erstaunliche Strategie. Viele afrikanische Länder leisten mehr als gedacht.

Zahlen & Fakten zu den starken Aufnahmenländer in Afrika

  • Das weltweite Migrationslevel ist stabil auf einem niedrigen Niveau: Zwischen 1990 und 2017 steig der Anteil an weltweiten Migrant*innen von 2,9% lediglich auf 3,5% der Weltbevölkerung
  • Momentan sind über 82 Millionen Menschen auf der Flucht. In Europa leben weniger als 10% von ihnen.
  • Historische Migrationsbewegungen während der europäischen Expansion vom 18. bis 19. Jahrhundert waren deutlich höher
  • Nicht nur einkommensstarke Länder sind betroffen: 70% aller Migrant:innen und sogar ganze 90% aller Geflüchteten aus Subsahara-Afrika bleiben auf dem Kontinent
  • Lediglich ein Viertel der afrikanischen Migrant:innen wandert nach Europa aus
  • Eine aktuelle Studie aus unserem Projekt in Kolda im Senegal zeichnet ein noch eindeutigeres Bild: Nur 5% der jugendlichen Rückkehrer:innen gingen nach Europa.
  • Drei Länder nehmen die meisten afrikanischen Geflüchteten auf: Uganda, Sudan und Äthiopien
  •  Außerhalb des afrikanischen Kontinents ist Yemen das größte Aufnahmeland: 3,6% der afrikanischen Geflüchteten finden hier Zuflucht
  • Erst danach folgen EU-Länder: Italien mit 1,4%, Deutschland mit 1,3% und Frankreich mit 1,1% afrikanischen Geflüchteten

Die Fluchtbewegungen am Horn von Afrika verdeutlichen die Leistungen

Top 10 Aufnahmeländer von Geflüchteten weltweit

  1. Türkei: 3,65 Millionen
  2. Jordanien: 3 Millionen
  3. Westbank & Gaza: 2,35 Millionen
  4. Pakistan: 1,44 Millionen
  5. Uganda: 1,4 Millionen
  6. Libanon: 1,35 Millionen
  7. Deutschland: 1,2 Millionen
  8. Sudan: 1,05 Millionen
  9. Bangladesch: 870.000
  10. Äthiopien: 800.000

(Stand 2020)

Uganda, als Land mit einer nur halb so großen Bevölkerung und einem Hundertstel des BIP von Deutschland, nimmt trotzdem mehr Menschen auf als wir es bisher getan haben. Deutlich wird dies auch nochmal aus den Prozentzahlen: So sind in Uganda 3,7% der Bevölkerung Geflüchtete, im Sudan 2,6%, im Südsudan 2,5% und in Deutschland vergleichsweise nur 1,5% (Stand 2020).

Aktuell spiegelt sich dies auch darin wider, dass Uganda und Ruanda als afrikanische Länder Geflüchtete aus Afghanistan aufgenommen haben.

In den meisten afrikanischen Staaten wird Migration – gut organisiert – als entwicklungsfördernd angesehen. Die Akzeptanz von Migrant:innen liegt über dem weltweiten Durchschnitt, insbesondere im Gegensatz zu europäischen Ländern, welche meist eine besonders geringe Akzeptanz vorweisen.

Die afrikanischen Länder Ruanda, Sierre Leone, Mali, Nigeria und Burkina Faso zählen unter anderem zu den aufnahmefreudigsten Ländern der Welt. Nur 5% der Ruander:innen beantworteten die Frage, ob sie gerne Migrant:innen als Nachbarn hätten mit Nein.

Strategien der Aufnahmeländer in Afrika: Integration und friedliches Zusammenleben

Uganda hat eine besonders liberale Flüchtlingspolitik und gilt in dieser Hinsicht als eines der fortschrittlichsten Länder der Welt. Das Land hat eine lange Geschichte in der Aufnahme von Geflüchteten. Es ist eins der größten Aufnahmeländer in Afrika. Bereits in den frühen 1940er Jahren wurden Menschen aus Polen aufgenommen, welche aus dem Nazi-besetzten Europa flohen.

Uganda nimmt nicht nur besonders viele Geflüchtete auf, es gewährt den Menschen auch ein Recht auf Arbeit, Freizügigkeit und Zugang zu sozialen Diensten wie Gesundheitsversorgung und Schulbildung. Für Geflüchtete in Europa ist dies oft nur sehr eingeschränkt möglich. Vor allem aber ist Uganda Deutschland in dieser Hinsicht einen Schritt voraus: Die großen Potenziale von Geflüchteten werden wahrgenommen und geschätzt. Die dazu gekommenen Menschen werden als wirtschaftliche Akteur:innen verstanden, und nicht als „Last“ dargestellt.

Geflüchteten wird Land zum Bau von Häusern und Hütten und zur landwirtschaftlichen Bewirtung zur Verfügung gestellt, sodass sie sich selbst ernähren und am Leben teilhaben können. Sie werden von der oft armen Bevölkerung in den aufnehmenden Gemeinden mit viel Akzeptanz und Menschlichkeit empfangen und das, obwohl die Ressourcen vor Ort bereits knapp sind. Kinder gehen zusammen zur Schule. Knappes Wasser, Nahrung und Land wird geteilt. Doch nur mit ausreichenden Ressourcen für alle Mitmenschen kann ein friedliches Zusammenleben gewährleistet werden.

Kein Land sollte ohne erhebliche internationale Unterstützung so viele Geflüchtete aufnehmen müssen wie die Aufnahmeländer in Afrika. Und trotzdem zeigt sich aktuell durch die vorübergehende Aufnahme von afghanischen Flüchtlingen, dass Uganda nach wie vor hohe Bereitschaft dazu aufbringt. Diese könnte auch mit der Tatsache zusammenhängen, dass viele Ugander:innen selbst Vertreibung aus erster Hand erfahren haben und sich in die verzweifelte Situation der Menschen hineinversetzten können.

Die Fluchtbewegungen am Horn von Afrika verdeutlichen die Leistungen

Die größten Flüchtlingssiedlungen der Welt liegen in Afrika. Der Afgooye-Korridor in Somalia ist eine der weltweit größten Siedlungen Binnenvertriebener. Dadaab und Kakuma in Kenia sind die weltweit größten Flüchtlingslager. Über eine Million Menschen leben dort derzeit. Dadaab wurde 1992 an der Grenze zu Somalia errichtet. In den Jahren 2011 und 2012 – als in Somalia extreme Dürren, Kriege und Hungersnöte herrschten – lebten dort bis zu eine halbe Million Menschen.

Kakuma liegt im Nordwesten Kenias. Gegründet wurde es 1992 als Reaktion auf die Ankunft tausender sudanesischer Kinder, den „Lost Boys of Sudan“, die vor dem Bürgerkrieg flohen. Noch heute sind beide Unterkünfte maßlos überfüllt. Durch die Vielzahl an Menschen in den Camps sind Ressourcen wie sauberes Wasser, Nahrung und Medikamente knapp. Viele Bewohner:innen sind  in den Camps geboren und aufgewachsen

Doch trotz ihrer schwierigen Situation sind insbesondere die Jugendlichen oft optimistisch und entschlossen. Die Schüler:innen in Kakuma übertreffen regelmäßig den kenianischen Durchschnitt und bestehen die nationalen Prüfungen mit einer hohen Erfolgsquote.

Bereits seit 2016 versucht die kenianische Regierung jedoch die beiden Camps zu schließen und die Rückkehr der Geflüchteten nach Somalia oder in den Südsudan durchzusetzen. Grund hierfür ist vor allem die erhöhte Gefahr von Terroranschlägen von Mitgliedern extremistischer Gruppen, wie der al-Shabaab Miliz aus Somalia. Diese versuchen vermehrt Kämpfer in Kenia zu werben, wodurch es in den letzten Jahren bereits zu mehrfachen Anschlägen kam. Um dies zu verhindern, müssen wiederkehrende Konflikte zwischen Geflüchteten und Aufnahmegemeinden vermieden werden und echte Bleibeperspektiven geschaffen werden!

Unterstützen Sie unsere Arbeit und helfen Sie uns dabei, Menschen in Afrika ein Selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen!

So bekämpfen wir den Hunger in Afrika

Erfolge in der DR Kongo trotz schwerster Bedingungen

Gesundheit, Gemeinschaft und Umweltschutz: Erfolge in der DR Kongo trotz schwerster Bedingungen Die Demokratische Republik Kongo (DRK) kämpft seit Langem gegen eine akute humanitäre Krise, in der über...

Erfolgreicher Projektabschluss in Ruanda

Projekt erfolgreich abgeschlossen: Gesundheitsversorgung für Kinder und Jugendliche mit HIV/AIDS Derzeit leben rund 230.000 Menschen mit HIV in Ruanda, darunter viele Kinder, die entweder Überlebende...

Hungersnot in Somalia

Schenken Sie dieses Jahr Hoffnung Update August 2023: Aktuelle Herausforderungen in Somalia Die Hungersnot in Somalia trifft die Menschen seit vielen Monaten. Auch der Krieg in Europa verschlimmert...