Die Jugend Afrikas: Potenziale & Herausforderungen
Afrika ist der Kontinent mit der weltweit jüngsten Bevölkerung. Etwa 60% aller Afrikaner:innen sind aktuell unter 35 Jahren. Während die Jugendbevölkerung in Europa und Asien schrumpfen, wächst sie in den afrikanischen Ländern weiter. Welche Potenziale bringt diese Entwicklung und die Jugend Afrikas mit sich? Was sind die größten Herausforderungen der Jugend und wovon träumen die jungen Menschen in Afrika?
Die Jugend ist Afrikas größte Ressource
Afrika ist der weltweit jüngste Kontinent und die Bevölkerung Afrikas wird immer jünger. Bis 2100 ist ein Wachstum der Jugendbevölkerung von 447 Millionen auf 1,3 Milliarden prognostiziert; etwa doppelt so groß wie die erwartete Gesamtbevölkerung Europas.
Die afrikanische Jugend ist des Kontinents größte Ressource: Sie ist besser ausgebildet, gesünder, vernetzter und digital begabter als frühere Generationen. Das zeigen auch die steigenden Immatrikulationszahlen der afrikanischen Hochschulen. Immer mehr Afrikaner:innen verfolgen einen Universitätsabschluss.
Laut der Mo Ibrahim Stiftung werden Potenzial, Kreativität, Innovativität und Energie der afrikanischen Jugend den Wandel des Kontinents entscheidend vorantreiben. Die Jugendlichen sind durch ihre starke digitale Kompetenz auf die Berufe der Zukunft vorbereitet. Doch leider ist ihr Potenzial noch nicht annähernd ausgeschöpft.
Bessere Ausbildung, weniger Arbeitsplätze?
Die Bildungsabschlüsse vieler Afrikaner:innen werden immer besser. Die Zahl der jungen, motivierten und gut ausgebildeten Menschen steigt. Mit ihr jedoch auch eine weitere Zahl: Die Jugendarbeitslosigkeit. Sie ist in einigen afrikanischen Ländern enorm hoch. Trotzt und gerade auch wegen der guten Ausbildung gibt es keine besseren Jobperspektiven. Ganz besonders hart trifft es Südafrika: Das Land hat mit 57% die weltweit höchste Jugendarbeitslosigkeit.
Die jungen Menschen sind gut ausgebildet, wollen Großes erreichen und träumen von einem spannenden Berufsleben, womit sie ihre Familien unterstützen können. Doch kurz darauf werden die talentierten und motivierten Jugendlichen nach dem Universitätsabschluss schnell mit dem harten Arbeitsmarkt konfrontiert: Sie sind nur bedingt auf den Übergang in die Arbeitswelt vorbereitet. Es gibt zu wenige – geschweige denn qualifizierte und gut bezahlte – Arbeitsplätze.
Nur etwa 10% der Jugendlichen finden innerhalb eines Jahres nach ihrem Abschluss einen passenden Arbeitsplatz. Viele sind in der Arbeits- und Perspektivlosigkeit gefangen oder finden sich im informellen Sektor wieder. Sie leiden an der Situation. Die schlechten Arbeits- und Lebensbedingungen führen nicht selten zu mentalen und physischen Gesundheitsproblemen. Zum Beispiel verbreiten sich vermeidbare Infektionskrankheiten und vernachlässigte Tropenkrankheiten besonders schnell in Gebieten mit schlechten Lebensbedingungen und einem Mangel an finanziellen Mitteln. Zudem ist der Zugang zu Gesundheitsdiensten und Arzneimitteln in vielen Ländern Afrikas stark eingeschränkt.
Verliert Afrika seine Jugend an externe Migration?
Mehr als 40% der afrikanischen Jugendlichen fühlen sich von ihren Regierungen vernachlässigt. Arbeitslosigkeit, Wirtschaftskrisen, schlechte Wasser- und Lebensmittelversorgung, Armut und die katastrophale Gesundheitsversorgung sind für junge Menschen in Afrika Hauptursachen für Migration.
Die junge Bevölkerung Afrikas ist das größte Kapital des Kontinents, und doch gibt es für sie kaum Perspektiven. Sie fühlen sich vom Mitwirken an ihrer eigenen Zukunft beraubt. Dieses Gefühl, verbunden mit den schlechten Lebensbedingungen und einer schlechten Gesundheitsversorgung führen dazu, dass Afrika davor steht, seine wichtigste Ressource zu verlieren: die Jugend.
Auf der Suche nach Beschäftigungsmöglichkeiten und besseren Lebens- und Arbeitsbedingungen bleibt für viele nur der Weg in andere Länder. Bereits für das Studium besuchen immer mehr Afrikaner:innen Universitäten außerhalb des Kontinents. Auch viele qualifizierte Fachkräfte sehen ihre Perspektiven eher außerhalb Afrikas.
Diese Entwicklung führt zu einem „brain drain“ (Talentabwanderung), wodurch Wissen und essenzielle Fähigkeiten den Kontinent verlassen und anderswo Zukunft gestalten. Dies führt so weit, dass 40 von 42 afrikanischen Ländern einen Großteil ihrer Jugend verlieren könnte, wenn alle migrationswilligen Jugendlichen den Kontinent verlassen würden.
In einem Land wie Senegal, welches relativ stabil ist und nicht etwa mit kriegerischen Konflikten wie die Länder am Horn von Afrika zu kämpfen hat, wird deutlich, wie gravierend sich Arbeitslosigkeit und Perspektivlosigkeit auf die Jugend auswirken können.
Die erwartete demografische Entwicklung in Afrika lässt vermuten, dass sich durch rapides Bevölkerungswachstum und hohe Geburtenraten die bereits angespannte Situation auf dem Arbeitsmarkt in Zukunft eher verschlechtern wird. Immer mehr junge Menschen mit besseren Ausbildungen, hohem Potenzial und Erwartungen treffen auf wenige Arbeitsplätze. Der Migrationsdruck wird dadurch weiter ansteigen.
Daher ist es besonders wichtig, mit Beschäftigungsmöglichkeiten und der Verlagerung von Produktionsstätten das Potenzial der Jugend und der afrikanischen Märkte zu nutzen und somit eine chancenreiche und gesunde Zukunft zu ermöglichen.
Migration – Potenzial statt Belastung
Migration wird in den Medien, in der Politik und im Alltag immer wieder als Belastung für die Aufnahmeländer betrachtet. Tatsächlich aber sind Migrant:innen eine wertvolle und wichtige Ressource. In Ländern mit höherem Einkommen stellen sie oft einen beträchtlichen Anteil der Arbeitskräfte im Gesundheits- und Pflegewesen dar – wie lebenswichtig diese Menschen für uns sind, haben wir in den letzten Monaten gesehen.
Studien des Internationalen Währungsfonds bestätigen, dass Migrant:innen einen positiven Einfluss auf unsere Wirtschaft haben; so könnte sich das Bruttoinlandsprodukt (BIP) durch einen hohen Anteil von Migrant:innen an der Bevölkerung um bis zu 2% pro Kopf erhöhen. Wir profitieren also alle von den Menschen und ihrem Potenzial!
Folgende Potenziale bringt Migration sowohl für Aufnahmeländer als auch für Herkunftsländer mit sich:
- Angekurbelte Wirtschaft durch: höhere Arbeitsproduktivität, steigendes BIP, geschlossene Arbeitskräftelücken, Erfüllung und Ausübung von vernachlässigten Berufen, mehr Steuereinnahmen, höheres Konsumniveau, Umschichtung von Ressourcen und Tätigkeiten und damit verbundene erhöhte Aktivität im Wirtschaftsgeschehen.
- Bereicherung der Arbeitswelt: Migrant:innen bringen neues Wissen und Fähigkeiten mit in den Beruf.
- Durch Rücküberweisungen in die Herkunftsländer steigen die Gewinne in diesem um 11 Milliarden Dollar. Ein stabile Quelle der Auslandsfinanzierung.
- Durch Ausgaben für Lebensmittel, Bildung und Gesundheit, aber auch beispielsweise Investitionen in die Landwirtschaft wird der Handel angekurbelt.
- In der Landwirtschaft ist Migration essenziell: Viele Migrant:innen kommen nur saisonal in ein anderes Land, um bei der Ernte zu helfen. Dadurch steigende Exporte wirken sich positiv auf die Wirtschaft aus. Viele landwirtschaftliche Tätigkeiten wären ohne Migrant:innen kaum möglich.
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