GESUNDES AFRIKA

Projektland Ruanda: Wie benachteiligte junge Frauen ihre Zukunft selbst gestalten

Seit dem grausamen Völkermord in Ruanda sind mittlerweile mehr als 30 Jahre vergangen. Das Land hat seither zahlreiche sehr positive Entwicklungen erreicht, gilt als Modell für wirtschaftlichen Aufschwung mit großen Erfolgen in der Infrastruktur und im Bildungswesen.
Und dennoch sind auch nach so langer Zeit die Auswirkungen des Genozid immer noch zu spüren. Gerade vulnerable junge Frauen stehen weiterhin vor existenziellen Herausforderungen, beispielsweise aufgrund von gesundheitlichen Einschränkungen, früher Mutterschaft oder fehlender Schulbildung.  

Um dieser Ungleichheit aktiv entgegenzuwirken, unterstützt Gesundes Afrika gemeinsam mit lokalen Partnerorganisationen eine Reihe von Projekten. Unser Fokus liegt hierbei auf zielgruppenorientierter Beschäftigungsförderung und auf der Schaffung von verlässlichen Existenzgrundlagen. 

Eines unserer Ruanda-Projekte in den Distrikten Kigali und Kamonyi wurde gerade erfolgreich beendet. Ein guter Grund, Ihnen ausführlich über die konkrete Arbeit vor Ort zu berichten und eine ganz besondere Erfolgsgeschichte vorzustellen. 

 

Nachhaltige Verbesserung der wirtschaftlichen Situation junger Frauen

das übergeordnete Ziel unseres Projekts war die nachhaltige Verbesserung der wirtschaftlichen Situation junger vulnerabler Frauen – beispielsweise chronisch kranke, oder von HIV betroffene Frauen – und die Ermöglichung einer gesellschaftlichen Teilhabe. 

Viele dieser jungen Frauen stehen vor enormen Herausforderungen:

Neben persönlichen und gesundheitlichen Belastungen kämpfen sie oft mit extremer wirtschaftlicher Unsicherheit, dem Fehlen formeller Beschäftigungsverhältnisse und sozialer Ausgrenzung.

Gefördert von WMF-Barmherzigkeit haben wir gemeinsam mit unseren lokalen Partnerorganisationen WE-ACTX For Hope und For Afrika Rwanda ein Unterstützungsprogramm ins Leben gerufen, das genau hier ansetzt. 

Eine stabile Basisversorgung bildet das Fundament, aber damit die jungen Frauen ein wirklich selbstbestimmtes Leben führen können, braucht es nachhaltige wirtschaftliche Perspektiven.

Die langjährige gesundheitliche und psychosoziale Begleitung durch WE-ACTx For Hope wurde daher als ganzheitlicher Ansatz gezielt mit der wirtschaftlichen Expertise von For Afrika Rwanda verbunden.

Unsere Projektarbeit vor Ort: Ein ganzheitlicher Ansatz

Um den Frauen eine langfristige und verlässliche Existenzgrundlage zu ermöglichen, verknüpfte das Projekt psychosoziale Begleitung eng mit fundierter wirtschaftlicher Qualifizierung. Die konkrete Arbeit gliederte sich in mehrere Kernbereiche:

Bedarfsanalyse & Gruppengründung: 

Zunächst wurden die spezifischen Bedürfnisse der Teilnehmerinnen ermittelt und daraufhin in neun Unternehmerinnen- und Spargruppen organisiert – sogenannte Village Savings and Loan Associations (VSLA). Diese Gruppen bildeten das organisatorische Herzstück für die gemeinsame Arbeit.

Intensive Schulungsmaßnahmen: 

Im Rahmen mehrtägiger, praxisnaher Fortbildungen erhielten die Teilnehmerinnen wichtiges Grundlagenwissen für den Aufbau eigener Kleinunternehmen.  

Geschult wurden unter anderem Finanzmanagement, systematische Geschäftsplanung, Buchführung, Marketing sowie allgemeine Lebenskompetenzen (Life-Skills).

Geschäftsentwicklung und Starthilfen

Gemeinsam wurden tragfähige Geschäftsideen ausgearbeitet und konkrete Businesspläne erstellt. Um die Ideen in die Realität umzusetzen, statteten wir die Gruppen mit bedarfsgerechten Starthilfen und Starter-Kits aus, z. B. für Friseursalons oder den Warenverkauf.

Langfristiges Mentoring:

Auch nach der Gründungsphase wurden die Frauen durch kontinuierliche Mentoring- und Coachingmaßnahmen begleitet, um die Stabilität der jungen Unternehmen zu fördern und Herausforderungen frühzeitig zu lösen.

 

B.B.s Geschichte: Hoffnung ist der stärkste Antrieb

Wie lebensverändernd diese Arbeit sein kann, zeigt das Beispiel von B.B., einer alleinerziehenden Mutter eines sechsjährigen Sohnes aus Kigali.

Ihr Alltag war lange Zeit von existenziellen Sorgen geprägt. Um Nahrung und die Unterkunft für ihr Kind zu sichern, stand sie jeden Morgen um drei Uhr auf. Sie lief täglich zwei Stunden zu Märkten außerhalb der Stadt, um mit einem winzigen Startkapital von umgerechnet nur 1,80 € (3.000 RWF) ein wenig Obst und Gemüse einzukaufen. Anschließend musste sie dieselbe Strecke zurücklegen, um die Waren in Kigali zu verkaufen. Die Arbeit war körperlich zehrend, die Gewinne kaum planbar.

Dann kam die Wende durch unser Projekt. B.B. wurde Mitglied der UMUCYO Mobile Money Group und durchlief unsere Finanz- und Spargruppen-Schulungen. Neben den erlernten Skills war es vorallem auch der Halt, den ihr der Austausch in der Gemeinschaft gegeben hat:

“Noch wichtiger war, dass ich etwas zurückgewann, das mir lange gefehlt hatte: Hoffnung. Die Gruppe hat mich ermutigt, an meine Fähigkeiten zu glauben, Verantwortung zu übernehmen und gemeinsam mit anderen Frauen neue Perspektiven für die Zukunft aufzubauen.” 

B.B.

Schritt für Schritt setzte B.B. das Gelernte um, sparte regelmäßig und reinvestierte ihre Einnahmen. Heute hat sie ihr Geschäftskapital und ihre Ersparnisse auf rund 119 Euro (200.000 RWF) gesteigert. Sie zahlt ihre Miete pünktlich, stellt die Ernährung ihrer Familie sicher und finanziert die Schulgebühren ihres Sohnes aus eigener Kraft. Aus der vom täglichen Überleben gezeichneten Frau ist eine selbstbewusste Kleinunternehmerin geworden.

Was wir gemeinsam erreicht haben

B.B.s Erfolg steht stellvertretend für insgesamt 112 vulnerable junge Frauen, die durch das Projekt eine neue Chance erhalten haben:

9 Unternehmerinnen- und Spargruppen (VSLAs) wurden erfolgreich gegründet und arbeiten über das Projektende hinaus aktiv weiter.

Über 600 Euro wurden von den Frauen bereits gemeinschaftlich angespart, wodurch funktionierende interne Kreditmechanismen für medizinische Notfälle oder Geschäftserweiterungen entstanden sind.

Besonders beeindruckend: Die Obst- und Gemüsegruppe konnte ihr monatliches Durchschnittseinkommen von ca. 18 € auf über 84 € vervierfachen.

Ein wichtiger Nebeneffekt:

Die Gruppen entwickelten sich zu Orten gegenseitiger Unterstützung, gemeinsamer Verantwortung und kollektiver Problemlösung und trugen maßgeblich dazu bei, soziale Isolation zu überwinden.

Nachhaltigkeit, die bleibt – Ihre Hilfe wirkt!

Dieses Projekt hat uns einmal mehr gezeigt: 

Nur durch die Reduzierung von Stigmatisierung und den Zugang zu fairen Chancen kann den jungen Frauen ein Leben in Würde ermöglicht werden.

Wenn soziale Unterstützung, menschliche Begleitung und wirtschaftliche Förderung Hand in Hand gehen, brechen wir den Kreislauf der Armut langfristig auf.

Unterstützen Sie unsere Arbeit und helfen Sie uns dabei, faire Chancen zu schaffen

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