GESUNDES AFRIKA

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Genitalbeschneidung im Senegal ist leider noch immer weit verbreitet. Im Februar flog ich, Maryline, im Rahmen eines unserer Projekte mit meiner Kollegin Sarah in das westafrikanische Land Senegal. Mit einer Mischung aus Aufregung und Neugier landete ich nach dem Umsteigen in der Hauptstadt Dakar in Cap Skirring, dem touristischen Küstenort im Süden des Senegal. Dort wurden wir von unseren lokalen Projektpartnern herzlich empfangen und fühlten uns sofort willkommen.

Gastfreundschaft wird im Senegal großgeschrieben. In Wolof, der Hauptsprache Senegals, bedeutet das Wort „Teranga“ Gastfreundschaft und ist Teil der nationalen Identität. Darauf sind die Senegales:innen sehr stolz und wir spürten diesen kulturellen Ausdruck überall.

Wir wollten uns aber nicht an den schönen Stränden von Cap Skirring aufhalten, daher fuhren weiter nach Osten in die Region Casamance, die im Norden an Gambia und im Süden an Guinea-Bissau grenzt.

 

Genitalbeschneidung im Senegal

Unser Projekt wird in den Regionen Kolda und Sédhiou durchgeführt. Die überwiegend ländlich geprägten Regionen gelten als die ärmsten im Senegal und weisen eine sehr hohe Armuts- und Arbeitslosenquote auf.

Insbesondere die Zahlen der geschlechtsspezifischen Gewalt liegen hier deutlich über dem nationalen Durchschnitt. Mädchen und Frauen zwischen 19 und 25 Jahren sind am stärksten von geschlechtsspezifischer Gewalt betroffen, wobei die Zahl der Vergewaltigungen besonders hoch ist. Auch Zwangsverheiratungen vor dem 18. Lebensjahr sind in beiden Regionen höher als im übrigen Senegal.

In Kolda sind 60% der Bevölkerung unter 25 Jahre alt und besonders betroffen von Teenagerschwangerschaften, unsicheren Abtreibungen und sexuell übertragbaren Infektionen, einschließlich HIV/AIDS.

Mit unserem lokalen Partner La Lumière stärken wir daher bestehende Strukturen zur Unterstützung von SRGR (Sexuelle und Reproduktive Gesundheit und Rechte) und zur Betreuung von Opfern von genderspezifischer Gewalt und FGM (Female Genital Mutilation). Dadurch möchten wir Genitalbeschneidung im Senegal bekämpfen. Studien zeigen, dass im Jahr 2019 bis zu 98,3% der Gewaltopfer noch keine Hilfe gesucht oder mit jemandem gesprochen haben. Sensibilisierungskampagnen und der Zugang zu gesundheitlichen und psychosozialen Dienstleistungen für die Opfer sind daher dringend notwendig.

Ziel unseres Besuches war es, möglichst viele Betroffene, aber auch die beitragenden Akteure zu treffen. Besonders beeindruckt hat uns die Entschlossenheit der jungen Frauen, ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen, und gemeinsam mit den älteren Generationen für ihre Zukunft zu kämpfen. Genau dabei möchten wir sie in unserer Zusammenarbeit gegen Genitalbeschneidung im Senegal unterstützen.  

Einige Porträts von starken Frauen haben uns während der Reise besonders beeindruckt.

Das Ende einer Tradition und der Bruch der Linie: Das Vermächtnis des Messers

Die Beschneidung ist seit 1999 im illegal. Dieses Gesetz bedeutet nicht nur das Verbot der Beschneidung von Frauen, sondern auch das Ende eines Berufs, der seit Generationen vererbt wurde. In der Casamance gab es 15 bis 30 Beschneiderinnen pro Dorf, ca. 100 in einer Gemeinde. Tausende von Frauen sind also betroffen.

Anna, eine Ex-Beschneiderin, träumte als Kind häufig von Messern und kahlgeschorenen Schädeln. Ihre Mutter sagte ihr, dass dies ein Zeichen sei, dass sie Beschneiderin werden müsse. Sie lernte den Beruf bei ihrer älteren Schwester in Gambia, die 17 Mädchen an einem Tag beschneiden musste. Anna durfte gleich drei dieser Frauen beschneiden. Heute ist Anna Witwe, ohne Einkommen. Sie gründete einen Verein mit anderen Ex-Beschneiderinnen, um gemeinsam Hilfe für eine neue Aktivität zu finden.

Bei unserem Treffen mit dem Leiter des Zentrums für Kinderschutz in Kolda wurden wir mit einer Realität konfrontiert, die tief in der senegalesischen Kultur und den Traditionen verwurzelt ist. Im Mittelpunkt unserer Diskussion stand der Status der Beschneiderin, einer geachteten Figur, deren Rolle weit über den klinischen Akt hinausgeht. Die Beschneiderin nahm eine herausragende Stellung in der Gemeinschaft ein. Sie galt als Hüterin der Tradition, die ein jahrtausendealtes Ritual aufrechterhalten sollte.

Neben dieser rituellen Funktion war die Beschneidung jedoch auch eine lukrative Handlung, die mit umgerechnet 7-8 EUR pro Beschneidung belohnt wurde. Oft war eine Beschneiderin in der Lage, bis zu 10 Mädchen am Tag zu beschneiden. Das Verbot der Beschneidung stellt somit ein existenzielles Problem für diese Generationen von Beschneiderinnen dar, die sich plötzlich ohne Einkommen wiederfinden. Dabei sind sich die meisten von ihnen bewusst, dass diese Praxis schlecht für ihre Töchter ist, und würden sofort damit aufhören, wenn sie eine Einkommensalternative hätten.

Was sind die physischen und psychischen Probleme, die durch Eingriffe der weiblichen Genitalbeschneidung im Senegal entstehen können?

Insbesondere die Spätfolgen sind den Frauen oft nicht bekannt oder werden von ihnen stillschweigend ertragen, um das Tabu nicht zu brechen. Bei der Entfernung von Klitoris und Schamlippen kann es leicht zu Nervenverletzungen und Narbenbildungen kommen, die den Frauen chronische Schmerzen bereiten, Infektionen begünstigen oder auch Geburten erschweren. Auch Unfruchtbarkeit kann eine Spätfolge der Genitalverstümmelung sein.

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Gibt es Hoffnung in der weiblichen Genitalbeschneidung im Senegal?

Im Hintergrund dieser anhaltenden Praxis liegt eine tiefe Angst vor einem Fluch. Die Überschreitung kultureller Normen und jahrhundertealter Traditionen wird als Affront gegen die Vorfahren und als Verstoß gegen die unveränderlichen Gesetze der Gemeinschaft betrachtet. Personen, die es wagen, diese uralte Praxis infrage zu stellen oder zu bekämpfen, werden daher schwer von dieser Furcht belastet.

Heute praktizierende Beschneiderinnen bevorzugen es also, sich zu verbergen und einen geschlossenen Kreis von Praktizierenden zu bilden, die ihr Wissen und ihre Identität schützen.

Die Identifizierung dieser Beschneiderinnen gestaltet sich als schwierige Aufgabe. Einige Mütter, die trotz der Verbote und Risiken diese Tradition weiterführen wollen, zögern nicht, bis nach Gambia zu reisen, um eine Beschneiderin zu finden, die bereit ist, das Ritual durchzuführen. Praktizierende Beschneiderinnen werden oft denunziert. Seit August 2010 gibt es eine gebührenfreie Telefonnummer (“Le numéro vert”) für Frauen und Mädchen, die Opfer von Gewalt geworden sind. Seit 2013 steht die Hotline auch Männern offen. Unter dieser Nummer wurden bereits Beschneiderinnen anonym angezeigt.

Jedoch ist der Trend positiv. Ein Arzt aus der Region Kolda berichtet von einem deutlichen Rückgang der Beschneidungen bei Mädchen unter 15 Jahren in den letzten Jahren.

Dank der engen Verbindung unserer lokalen Partner zu den Gemeinden und der Unterstützung der “Badienou Gokh” (siehe unten) konnten wir viele (Ex-)Beschneiderinnen erreichen und treffen. Sie wurden im Rahmen des Projekts über die Risiken und Folgen der Beschneidung für ihre Töchter aufgeklärt. Einige von ihnen haben bereits ihre Tätigkeit aufgegeben und befinden sich in einer Umschulungsphase – ein komplexer Prozess, der von unseren lokalen Akteuren begleitet wird.

Die berufliche Neuorientierung: ein schwieriger Weg

Gastfreundschaft wird im Senegal großgeschrieben. In Wolof, der Hauptsprache Senegals, bedeutet das Wort „Teranga“ Gastfreundschaft und ist Teil der nationalen Identität. Darauf sind die Senegales:innen sehr stolz und wir spürten diesen kulturellen Ausdruck überall.

Wir wollten uns aber nicht an den schönen Stränden von Cap Skirring aufhalten, daher fuhren weiter nach Osten in die Region Casamance, die im Norden an Gambia und im Süden an Guinea-Bissau grenzt.

Genitalbeschneidung im Senegal

Ehemalige Beschneiderinnen schließen sich oft zusammen, um Geld für die Aufnahme einer neuen Tätigkeit anzusparen. Einige haben einen Verein gegründet. In den Regionen Kolda und Sédhiou sind die Optionen für eine neue Aktivität begrenzt. Hier wird über Hühnerzucht, Rinderaufzucht, Seifenherstellung oder Sumpfanbau gesprochen. Da der Zugang zu Land den Männern vorbehalten ist, ist die Neugestaltung der Landschaft nur durch gemeinsame Tätigkeiten mit den Ehemännern möglich. Einige Beschneiderinnen werden zu „Matronen“ (Pflegerinnen) in den Gesundheitszentren oder zu „Badienou Gokh“. In Senegal fungieren die Badienou Kokh in den Stadtvierteln als Vermittlerinnen zwischen Familien, Frauen, Mädchen, Ehemännern und den Gesundheitszentren. Sie sind vertrauenswürdige Frauen, die in Fragen des Sexuallebens beraten und orientieren. Ein neues Gesetz sieht mittlerweile eine Entlohnung der Badienou Gokh vor: Sie erhalten eine geringe monatliche Vergütung von 40000 bis 50000 XOF (76€/Mon). Die Badienou Gokh werden innerhalb ihrer Gemeinschaft respektiert und sind mittlerweile als „Change Makers“ anerkannt.

Ein Projekt, das Generationen vereint

„Wir werden die Beschneidung unserer Töchter nicht zulassen!“ Diese Aussage einer jungen Senegalesin, die im Namen ihrer Mitglieder des Young Women Leaders Club sprach, hat uns sehr beeindruckt. Diese jungen Frauen sind zusammen mit den Peer Educators entschlossen, diesen Weg zu gehen, und sie sind die richtigen Change Makers. Und tatsächlich: Wir saßen mit Schülerinnen und ehemaligen Beschneiderinnen zusammen. „Ohne uns alle wird es nicht funktionieren“, erklärte eine junge Frau, denn die junge Generation braucht das Fachwissen der Beschneiderinnen.

Diese jungen Leute geben das SRGR-Wissen in den Dörfern weiter, damit alle erreicht werden. Sie organisieren Vorträge, Filmvorführungen mit anschließender Diskussion und sogar Hausbesuche, um dort die einflussreichen Personen in den Familien zu überzeugen. Oft sind es immer noch die Großmütter, die die Väter beim Thema Beschneidung beeinflussen.

Ob es um die Verheiratung minderjähriger Mädchen, die Beschneidung oder ungewollte Schwangerschaften geht, in all diesen Fällen ist es besonders wichtig zu erklären, an wen man sich wenden kann. In der Region wurden bereits 32 Clubs mit 30 jungen Mädchen gegründet: insgesamt 960 Mädchen. Hinzu kommen 40 Peer Educators.

Insgesamt hat uns diese generationsübergreifende Sensibilisierung am meisten beeindruckt. Die tragende Energie und feste Entschlossenheit der senegalesischen Jugend war faszinierend und wir waren froh, sie bei ihren Vorhaben unterstützen zu können.

„Wir haben Hoffnung für unsere Töchter, da unsere Großmütter viel größere Gewalt erlitten haben als wir. Also hoffen wir, dass auch unsere Töchter weniger leiden werden als wir. Die Dinge ändern sich, aber das ist erst der Anfang. Es gibt noch viel zu tun.“ 

Zitat einer Frau aus einem Dialogtreffen.

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