GESUNDES AFRIKA

Auf Projektreise in Ruanda

Die erste Projektreise für Gesundes Afrika führt mich, Samira, in ein mir noch unbekanntes Land: Ruanda. Die Vorfreude steigt. Nach einer viel zu langen Anreise über Istanbul bin ich endlich in Kigali angekommen. Kigali erstreckt sich über viele grün bewachsene Hügel. Wunderschön. Beim Betrachten der heutigen Stadt, kann man kaum glauben, welche Gräueltaten erst 1994 dort passiert sind. Doch es wird schnell spürbar, wie tief der Schmerz und die Folgen des Genozids und der Geschichte Ruandas noch sitzen.

Die Geschichte von Ruanda

Der Genozid in Ruanda von 1994 ist eine dunkle Periode in der Geschichte dieses afrikanischen Landes. Während eines Zeitraums von etwa 100 Tagen wurden schätzungsweise 800.000 Tutsi und moderate Hutu-Vertreter von extremistischen Hutu-Milizen ermordet. Der Genozid hatte verheerende Auswirkungen auf die ruandische Gesellschaft und hat bis heute tiefe Narben hinterlassen.

Eine der weniger bekannten, aber dennoch tragischen Folgen des Genozids ist die Ausbreitung von HIV/AIDS in Ruanda. Während des Genozids wurden Tausende von Frauen und Mädchen sexuell missbraucht. Diese sexuelle Gewalt führte zur Übertragung von HIV, und viele Opfer wurden infiziert. Das Virus breitete sich während und nach dem Genozid weiter aus, da die Gesundheitssysteme zerstört und die soziale Ordnung zerrüttet waren.

Heute leiden viele Menschen in Ruanda an den gesundheitlichen Folgen dieser traumatischen Zeit. Die HIV-Infektionsrate ist immer noch relativ hoch, und die psychischen und sozialen Auswirkungen des Genozids sind weitreichend. Die ruandische Regierung hat jedoch Schritte unternommen, um die Ausbreitung von HIV einzudämmen und den Opfern psychosoziale Unterstützung zu bieten. Gemeinsam mit unserer Partnerorganisationen in Ruanda unterstützen wir die Menschen vor Ort!

Die Herausforderung der sexuellen und reproduktiven Gesundheit in Ruanda

Unsere Projektpartner aus Ruanda haben einige tolle Erfolgsgeschichten mit uns geteilt. Doch Ruanda steht auch vor Herausforderungen, insbesondere im Bereich der sexuellen und reproduktiven Gesundheit (SRH). Obwohl das Gesundheitssystem als fortschrittlich gilt, haben viele Menschen, darunter auch HIV-Erkrankte, nur begrenzten Zugang zu wichtigen Gesundheitsdiensten. Finanzielle Engpässe zwingen sie oft dazu, ihre Therapien zu unterbrechen, was zu einer hohen HIV-Rate von 2,6 % führt. Die COVID-19-Pandemie verschärfte diese Situation weiter. Auch Teenager-Schwangerschaften sind in Ruanda sehr häufig.

Die Folgen des Genozids von 1994 belasten die Geschichte in Ruanda noch immer, primär in der West-Region, mit hohen HIV-Prävalenzen, die Frauen besonders betreffen. Viele junge Frauen in Karongi sind durch gesundheitliche, wirtschaftliche und soziale Benachteiligungen gefährdet. Sie leiden unter Diskriminierung und haben kaum Zugang zu Gesundheitsdiensten und Familienplanung.

Seit November 2022 arbeiten wir in Kooperation mit  unserem Partner WE-ACTx FOR HOPE an einem Projekt in Ruanda. Unser Hauptziel ist die Verbesserung des Zugangs zu diskriminierungsfreien Gesundheitsdiensten, insbesondere für Jugendliche und Frauen, sowie die Schaffung von Beschäftigungsmöglichkeiten für gefährdete Gruppen im Karongi-Distrikt.

In den letzten Monaten haben wir bereits erhebliche Fortschritte erzielt. Lokale Führungskräfte wurden in sexueller und reproduktiver Gesundheit geschult. 120 Gesundheitsfachkräfte haben Weiterbildungen erhalten, um die Jugendlichen besser zu unterstützen, hauptsächlich in Bezug auf HIV-Prävention und Familienplanung.

Aktuell erhalten 260 chronisch kranke und gefährdete Frauen Schulungen in wirtschaftlichen Fähigkeiten und Gesundheitsaufklärung. Sie haben begonnen, Spargruppen zu bilden und eigene Unternehmen zu gründen.

Als nächster Schritt steht die Sensibilisierung von Schülern für sexuelle und reproduktive Gesundheit auf dem Programm. Mit Ihrer Unterstützung hoffen wir, noch mehr Frauen und Jugendliche erreichen und unterstützen zu können. Unser Ziel ist es, die Lebensqualität in Ruanda nachhaltig zu verbessern.

Samuel*: Ein Leben, das Gemeinschaften verändert und Geschichte in Ruanda schreibt

Samuel ist einer unserer engagierten Krankenpfleger in der Health Center Facility und spielt eine entscheidende Rolle in der Betreuung von HIV-Erkrankten. Seine Erfahrungen mit unseren Schulungen haben nicht nur seine berufliche Arbeit, sondern auch sein persönliches Leben nachhaltig bereichert und die Gesundheit unserer Gemeinschaft maßgeblich beeinflusst.

Durch die Schulungen haben sich die Infektionsraten von HIV und sexuell übertragbaren Krankheiten spürbar verringert. Menschen haben ihr Verhalten positiv geändert, sind aufgeschlossener gegenüber Verhütung und Familienplanung und kommen aktiv, um von Samuel zu lernen.

Samuel hat jedoch nicht nur Wissen weitergegeben, sondern auch Leben gerettet. Er erzählt von zwei jungen Freundinnen, gerade 16 und 17 Jahre alt, die ungewollt schwanger waren und keine Auswege sahen. In Ruanda ist Selbstabtreibung erlaubt, aber nicht für Minderjährige, und dies kann gefährlich sein. Die beiden Mädchen kamen zu Samuel, verzweifelt und ohne Unterstützung. Als Krankenpfleger und psychologischer Berater half er ihnen, die richtige Entscheidung zu treffen. Sie konnten ihre Schwangerschaft abbrechen und ihre Bildung fortsetzen. Heute sind sie erfolgreiche Schülerinnen und besuchen Samuel regelmäßig, um ihm zu danken.

 
 

Weitere Geschichten aus Ruanda

 
Desire*: Ein Neuanfang nach der Schwangerschaft

Desire ist 20 Jahre alt und wurde schwanger, als sie noch die weiterführende Schule besuchte. Aufgrund ihrer Schwangerschaft wurde sie von der Schule verwiesen und von ihrem Umfeld ausgeschlossen. Doch sie hörte von unserem Projekt, das jungen Müttern Hilfe anbietet, und fand hier Unterstützung. Sie erlernte nicht nur Kenntnisse über sexuelle und reproduktive Gesundheit und Verhütung, sondern absolvierte auch Trainings. Ihr Ziel ist es, in Zukunft anderen jungen Mädchen zu helfen und als Gesundheitshelferin für ihre Familie zu sorgen.

 

Mit 21 Jahren wurde Chantal schwanger, während sie noch die Schule besuchte. Unser Projekt nahm sie auf und vermittelte ihr Bildung und Unterstützung. Sie erkannte, wie wichtig es ist, andere Mädchen in ihrer Situation zu unterstützen. Heute ist sie eine Inspiration für viele und ein Beispiel dafür, wie Bildung das Leben junger Mütter positiv beeinflussen kann.

Alice kam mit 18 Jahren in unser Projekt und wusste vor ihrem Kontakt mit dem Gesundheitszentrum wenig über sexuell übertragbare Krankheiten oder Verhütung. Durch unser Projekt gewann sie nicht nur Wissen darüber, sondern erwarb auch Fähigkeiten zur Einkommensgenerierung. Sie hat gelernt, wie man mit Haus- und Nutztieren Geld verdienen kann und hat dadurch eine neue Perspektive im Leben gewonnen.

Jeanne, 23 Jahre alt, hatte eine besonders schwierige Situation zu bewältigen. Sie wurde ungewollt schwanger, nachdem sie Opfer eines sexuellen Übergriffs wurde. Unser Projekt half ihr nicht nur bei der Bewältigung dieser traumatischen Erfahrung, sondern auch bei der Verhütung von ungewollten Schwangerschaften. Jeanne ist heute eine starke Person, die anderen Mut macht und zeigt, dass es immer einen Weg gibt, sich aus der Dunkelheit ins Licht zu kämpfen.

 

*alle Namen wurden zum Schutz der Personen geändert.

 

So bekämpfen wir den Hunger in Afrika

Erfolgreicher Projektabschluss in Ruanda

Projekt erfolgreich abgeschlossen: Gesundheitsversorgung für Kinder und Jugendliche mit HIV/AIDS Derzeit leben rund 230.000 Menschen mit HIV in Ruanda, darunter viele Kinder, die entweder Überlebende...

Hungersnot in Somalia

Schenken Sie dieses Jahr Hoffnung Update August 2023: Aktuelle Herausforderungen in Somalia Die Hungersnot in Somalia trifft die Menschen seit vielen Monaten. Auch der Krieg in Europa verschlimmert...

World Water Week 2023

Innovative Lösungen für einen bewussten Umgang mit Wasser: World Water Week 2023 Die World Water Week 2023 stand ganz im Zeichen innovativer Ideen und Lösungsansätze, die einen nachhaltigen Umgang mit...

One-Health Kongo

Erfolge des One-Health-Projekts in der Demokratischen Republik Kongo In der Demokratischen Republik Kongo (DRC), insbesondere in den ländlichen Gebieten von Minembwe und Kaziba in Süd-Kivu, ist...

Positive Nachrichten aus Afrika

Schenken Sie dieses Jahr Hoffnung In einer Welt, in der Schlagzeilen oft von Krisen, Konflikten und Katastrophen beherrscht werden, ist es leicht, den Blick für die positiven Entwicklungen und...

Unser Jahresbericht 2022

Jahresbericht 2022 von Gesundes Afrika Unser Jahresbericht 2022 ist online! Mit dem Jahresbericht von Gesundes Afrika möchten wir darauf aufmerksam machen, was Unterstützung und Zusammenarbeit alles...

Erfolgsgeschichten aus Ruanda

Auf Projektreise in Ruanda Die erste Projektreise für Gesundes Afrika führt mich, Samira, in ein mir noch unbekanntes Land: Ruanda. Die Vorfreude steigt. Nach einer viel zu langen Anreise über...

Eine Reise nach Simbabwe

Ein Reisebericht aus Simbabwe Unser Ankunft in Bulawayo markierte nicht nur den Beginn einer Reise nach Simbabwe, sondern auch eine Begegnung mit einem im Team vertrauten Hindernis: Unser Gepäck hatte...

Unsere Erfolge im Jahr 2023

Erfolge im Jahr 2023 bei Gesundes Afrika Im Jahr 2023 feierten nicht nur verschiedene Erfolge bei Gesundes Afrika: Das Jahr 2023 markiert einen wichtigen Meilenstein in der Geschichte unserer...